Unser Ford Nugget AD wird winterfest

Wie, ihr wollt um diese Zeit in den hohen Norden Europas? Mit dem Nugget, der ist doch gar nicht winterfest? Was ist das denn für eine Idee?

Während des letzten Ford Nugget-Treffens beschlossen wir sehr spontan beim nördlichsten Nordlichter-Nugget-Treffen  im Herbst mitzufahren. Geografisch wussten wir sehr genau, wo es hingehen soll, aber bei einem Blick auf die Karten und in googlemaps waren wir uns dann schon gar nicht mehr so sicher, ob wir den weiten Ritt wirklich machen sollten. Zudem ja Straßenverhältnisse im Oktober im Norden Europas doch sehr unkalkulierbar sind. (PS. Ich wollte nie Wintercampen.) Im optimalen Fall wären es einfach ca 3500 km und das ganze innerhalb von 4 Wochen. Lappland ist ja nicht gleich um die nächste Hausecke.

Denn es macht einen riesigen Unterschied, ob man im Sommer in der Region unterwegs ist oder im Winter auf Eis und Schnee. Sicherheit geht vor. Damit war es auch gleich ein Test, inwiefern Wintercamping mit dem Nugget Spaß macht und wo der Spaß aufhört.

 

Aber zugesagt heißt für uns zugesagt. Und so starteten frühzeitig den Nugget winterfest auszurüsten.

 

 

Unser Ziel war es, auf eine Heckkiste zu verzichten und alles im Nugget zu verstauen. Sich trotzdem noch wohlzufühlen und nicht täglich mehrmals umbauen zu müssen war eine Voraussetzung.  (Ziel hatten wir übrigens erreicht). Wer je Tetris gespielt hattet, weiß wovon wir reden.

Unser Reifenhändler des Vertrauens konnte sehr gute Winterreifen mit einer Spezialgummimischung für den Norden Europas organisieren. Nachdem unser Bus mit einem Aufstelldach ausgestattet ist befürchteten wir, dass es bei Minusgraden etwa ungemütlich werden könnte, daher besorgten wir uns eine sogenannte Mütze der Firma Vanstuff zum drüberziehen.

Um etwaige Schäden an der Steuerelektronik (ein gerne genommener Schaden der Ford Nuggets) durch Kondenswasser an der Frontscheibe, verlagerten wir den Taupunkt auf die Außenscheibe mit einer großen Frontscheibenabdeckung. Das ersparte zusätzliches morgendliches Eiskratzen. Und um Regenwasser zielgerichtet ablaufen lassen zu können, konstruierten wir Trichter am 3D-Drucker. Sieht bescheuert aus, aber erfüllt den Zweck optimal.

 

Da die Wärmeverteilung im Ford Nugget solalala ist kam der zusätzliche kleine Heizlüfter (den wir von der Dezembertour in die Toskana noch hatten) mit an Board. Für gemütliche warme Füße verlegten wir mithilfe einer selbstgebastelten Schablone einen strapazierfähigen Teppich. Das geht wirklich schnell und erhöht den Wohlfühlfaktor enorm. Zusätzliche kuschelige isländische Schaffelle ergänzten perfekt. Als nächstes ging es an die Isolation. Der Nugget ist standardmäßig eher schlecht isoliert und so kamen, soweit möglich, in alle Fächer die an der Außenwand sind zugeschnittene Thermomatten und das außenliegende Heizungsrohr (ohne Worte) wurde zusätzlich dick eingepackt. 

 

Ein Tipp von Katja Seidel (Nachtlichter) wurde auch umgesetzt. Danke für den Tipp, Katja. Ein flexibles Heizungsrohr einfach über Heizungsauslass neben der Tür stülpen und schon kann man die warme Luft dahinleiten, wo man sie braucht.

Für die Fenster bastelten wir aus alten Isomatten Innenisolationen. Meine spärlichen Nähkenntnisse reichten beim Nähen von Thermovorhängen vollkommen aus. (Danke an Trixie (die2Mays) für den Tipp.

Fixiert wurden die mittels Klettband, der ja bereits vom sommerlichen Mückenschutz eingebaut war.

Autarkie haben wir schon länger und sind mit der Kombi: Solaranlage und LiPo-Akkus sehr zufrieden. Um keine Chemie im Bus zu verwenden (der Geruch ist grauenvoll) sind wir auf die Trockentrenntoilette von BioTioo umgestiegen und würden es immer wieder tun.

 

Kurz vor der Abreise wurden alle Flüssigkeiten noch auf winterfest erneuert: Wischwasser & Öl, nicht zu vergessen Türschlossenteiser.

 

Die Schneeschaufel (übrigens Pflicht in Skandinavien im Winter), Brechstange und 2 Eiskratzer mit langem Stiel fixierten wir an den Airlinerschienen am Sandblechen am Heck.

Die Türgummis mit Glycerin eingerieben. Ein Satz Reservesicherung und Werkzeug ist immer im Bus vorhanden. Gummifußmatten sollten die größte Nässe durch Schuhe auffangen.

 

Ein Handy aus dem Bestand wurde kurzerhand zum Router umfunktioniert und mit einer  Prepaid-Internetkarte mit hohem Datenvolumen bestückt. Damit konnten wir auch unterwegs arbeiten zu und an langen Abenden auch mal Filme ansehen. 

Kurzum es war wunderschön und der ausführliche Tourblogartikel kommt noch. Ach ja, und kaum zu glauben, aber auch auf dieser Tour hatten wir überflüssiges Zeug dabei.

Unser Fazit: Würden wir die lange Tour um diese Zeit nochmals machen, klares Ja mit ein paar kleinen Optimierungsmöglichkeiten. 

 

Pro:

  • es war unheimlich gemütlich, die Heizung arbeitete top und zuverlässig. Die Frontscheibenheizung ist extrem schnell.
  • Der Nugget ist vom Fahrverhalten absolut wintertauglich und in Kombination mit unseren Reifen perfekt. Wir hatten keine Spikes oder Schneeketten gebraucht.
  • Unsere Isolationsmaßnahmen waren genau richtig.
  • wunderschöne Lichtstimmungen und Momente

 

Optimierungsmöglichkeiten: 

  • Mehr Zeit erhöht den Genuss und bietet mehr Möglichkeiten für Besichtigungen und Fotosessions.
  • Sitzheizung mit mehr Stufen umbauen Die Sitzheizung kennt nur 2 Stufen: Hinterteil rösten oder aus :).
  • Eventuell 2 Wochen früher, da die Tage einfach länger sind und es nicht schon um 16.00 Uhr zappenduster ist. Aufgrund der Rentiere und Elche wollten wir nicht bei Dunkelheit fahren. Zudem sind auch noch mehr Cafes, Restaurants und Nationalpark-Infozentren geöffnet.
  • Zusatzbeleuchtung evtl. LED, da das vorhandene Fern- und Abblendlicht nicht wirklich optimal ist
  • Hmm das leidige Thema Mütze für das Aufstelldach. Solange es trocken ist, alles easy und muggelig warm. Vom Prinzip her gut gedacht. Aber die Praxis forderte uns. Rauf und runterbauen kein Thema. In dem Moment wo man täglich weiterreist und die Mütze auch noch tropfnass oder schneebedeckt und angefroren ist hört für uns der Spaß auf. Man hat anschließend einen riesigen großen nassen schweren Packen, den man ja kaum wieder in diesen Zustand in den Packsack bekommt (bemerke regennasser Stellplatz) geschweige denn die Mütze wieder trocknet. Gefühlt hatte das vollgesaugte Paket dann 20 Kilo. Wie man das am nächsten Tag wieder über das Aufstelldach bekommen soll und dabei die maximale Dachlast nicht überschritten wird, ist uns schleierhaft. Trocknen dauert übrigens einige Tage. Da grübeln wir noch über Lösungen.

 

All erwähnten Produkte beruhen auf unseren Erfahrungen und haben selbstverständlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder dass es genau für Deine Anwendungszwecke passend ist. Alle erwähnten Gegenstände haben wir selbst bezahlt und auch stehen in keinem Zusammenhang mit dem Hersteller.

Hast Du Fragen zu unserer Tour, eventuell Tipps  oder möchtest Du mehr über die Tour wissen? Wir freuen uns über eine Nachricht von Dir.

Kommentare: 2
  • #2

    Mareke Grensemann (Dienstag, 09 Dezember 2025 11:39)

    Hallo ihr zwei, das hört sich ja spannend an! Ich war mit meinem Nugget jetzt unfreiwilligerweise in einer winterlichen Situation und habe Fragen dazu, welche thermomatten ihr für die Scheiben verwendet habt? Habe derzeit da noch die sommerausstattung mit dem mückenschutz und dem Klettverschluss hängen und hatte mir dann mit den alten Vorhängen und dünnem verdunklungsmaterial beholfen und diese einfach nur über die sommervorhänge geklemmt.
    Bin aber auf der Suche nach einer guten Lösung, vor allen Dingen für die Schiebetür.

    Vielen Dank im voraus für eure Tipps!

    Vg
    Mareke

  • #1

    René (Donnerstag, 04 Dezember 2025 20:37)

    Hallo Petra,
    wir sind mit unserer Innenisolierung super zufrieden. Genau aus dem von dir beschriebenen Gründen haben wir unsere Mütze nicht mitgenommen.

    Viele Grüße René